„Also, Du mußt schon mindestens eine Stunde am Stück laufen,
sonst bringt das überhaupt nix!" belehrte mich ein Bekannter,
nachdem ich stolz von meinen Laufanfängen und weniger stolz von meinem
blöden, hohen Puls berichtet hatte. „Wie...bringt nix?" fragte
ich irritiert zurück. „Um fitter und ausdauernder zu werden, mußt Du
immer mindestens eine Stunde in der aeroben Zone...na, sagen wir mal,
unter 140 Schlägen, laufen, nur dann bringt es was." Nicht das
diese vage Antwort mir wirklich eine Erleuchtung gebracht hätte, aber
da ebenjener Bekannte ein erfahrener Sportler und zudem noch Triathlet
war, nahm ich auch diese Anweisung als läufergottgegeben hin – wenn
er sagt, das bringt nix, dann bringt’s auch nix. Basta. Also mußte
ich ab jetzt mindestens eine Stunde unter 140 Pulsschlägen laufen. Dann
würde es auch was bringen. Aber SOWATT von.
Also trippelte und tänzelte ich am Folgetag eine geschlagene Stunde
am Fluß entlang, stets mit wachsamem Blick auf den Pulsator an meinem
Handgelenk, um nicht die magische Vorgabe zu überpulsen. Die
Fortbewegungsart, die ich dafür zwangsläufig wählen mußte, hatte
zwar so rein überhaupt nix mit „Laufen" sondern eher mit einem
nervösen Auf-der-Stelle-Trippeln zu tun, aber immerhin gelang es mir
so, wenn auch unter höchster Anspannung, meinen Puls unter 140 zu
halten. Ok, der Ehrlichkeit halber - sobald mir ein Spaziergänger
begegnete, wollte ich zwar vor Scham über mein blödes Getippel im
Erdboden versinken, aber da mußte ich wohl durch, schließlich wollte
ich fitter und ausdauernder werden.
Leider war ich auch nach vollbrachter Stunden-Tat nicht mal
ansatzweise so müde und stolz wie vor Wochen, als ich zum allerersten
Mal 30 Minuten BWDBH am Stück durchgehalten hatte. Ich hatte mich eine
Stunde lang bewegt, das war nicht schlecht und ganz ok soweit – aber
dieses verkrampfte Pulsbeobachten und Herumtrippeln fühlte sich kein
Stück weit sportlich, dynamisch, lebendig oder gar nach „Laufen"
an.(Und nachdem ich lange Zeit später einmal die Strecke nachgemessen
habe, die ich „seinerzeit" in einer Stunde zurücklegte und
gerade mal auf 6 km kam, wurde mir auch schnell klar, WARUM diese
Fortbewegungsart nichts mit „Laufen" gemein hatte und so
überhaupt gar keinen Spaß machen wollte)
Fortan trippelte ich also täglich eine Stunde (damit’s auch was
bringt) im Mega-Fußkranken-Schneckentempo umher – ab und an ließ
mich zwar mein freiheitsliebendes Revoluzzerherzchen zumindest den
penetranten Warnpiepton am Pulsator ausschalten, aber die Werte, die er
mir zwischendurch und nachher im Durchschnitt anzeigte, machten mir
jedes Mal ein schlechtes Gewissen und schrieen „Du! bist! Unfit!!"
Die Bewegung an der frischen Luft war zwar weiterhin angenehm und tat
mir gut – aber eingepresst im Pulsator-Korsett ging die Leichtigkeit
und Zwanglosigkeit verloren. Irgendwie war’s doof und blöd und ich
fragte mich ständig, warum ich bloß immer so einen hohen Puls hatte
und nicht fitter wurde und überhaupt...och Mönsch!
- Fortsetzung folgt -