Hoppeln macht den Kopp frei
Und obwohl es nicht wirklich als „sportliche Betätigung"
bezeichnet werden konnte, wurde das Baumwolldschoggingbüxehoppeln
nach und nach zu einem nicht unerheblichen Stress-Ventil. Durch
jahrelange Nikotin-Sucht war mein oller Körper drauf fixiert und es
gewohnt, Stress und Druck durch das intensive Inhalieren eines
Glimmstengels abzulassen. Ein wichtiger Auftrag in der Firma ist
geplatzt? Schreck! Erstmal eine rauchen! Puuuh....schon besser...
Streit mit dem Herzallerliebsten? Drama! Erstmal eine rauchen! Puuuh....schon
besser....Fällige Stromnachzahlung, aber leeres Konto? Hilfe! Was
tun...? Erstmal eine rauchen...puuh, schon besser... Durch dieses
dusselige Suchtverhalten waren Körper und Geist bislang der Meinung,
nur mit einer Zigarette im Mundwinkel nachdenken und Lösungen für
Probleme finden zu können und einzig eine Kippe bringe Entspannung
und einen klaren Kopp – und da ich Körper und Geist diese glimmende
Nachdenk- u. Stressabbau-Hilfe egoistischerweise einfach entzogen
hatte, wandelte ich fortan wie ein riesiges Faß umher, das bis zum
Rand mit Problemen, Stress und Druck gefüllt war und kurz vor’m
Überlaufen stand, aber keine Möglichkeit zum „Abfliessen"
hatte. Hardcore-Schokoladenmampfing und Extremly-Bonbonlutschen
brachten zwar recht schnell wabbelnden Hüftspoiler und einen
aufgeschubberten Gaumen, aber ansonsten keine wirkliche Erleichterung.
Nach kurzer Eingewöhnungsphase ans Baumwolldschoggingbüxenhoppeln
(kurz: BWDBH) zeigte sich jedoch, das selbiges durchaus die
Eigenschaft hatte, ein Loch ins Stress-Faß zu bohren und den
aufgestauten Druck in dünnem Strahl abzulassen. Mit allerhöchster
Wahrscheinlichkeit sah ich zwar unglaublich albern aus, wie ich da im
Schneckentempo durch die Botanik hoppelte, aber es tat mir gut –
durch die Sauerstoffzufuhr im Gehirnkasten fand’ ich manchmal
während des Hoppelns plötzlich Lösungen für Probleme, an denen ich
mir den ganzen Tag die Zähne ausgebissen hatte, und durch die
Gelegenheit, sich den ganzen Tag nochmal in Ruhe durch den Kopf gehen
zu lassen hatte das BWDBH recht schnell einen ähnlich hohen, aber
weitaus gesünderen Entspannungsfaktor als die Feierabendzigarette.
Somit wäre die zweite wichtige Erkenntnis in meinem jungen
Läuferleben (gefolgt von „Nikotinverzicht allein macht keinen
Top-Atheten" als erste Erkenntnis) – „Hoppeln macht den Kopf
frei!" Heureka!
Und nachdem die Tage unweigerlich kürzer und die Temperaturen
unweigerlich eisiger wurden, erlebte ich mein persönliches
BWDBH-Highlight an einem eiskalten Winterabend, an dem ich
mutterseelenallein und dickstens eingewickelt in Sweatshirt, Jacke,
wollene Strumpf- und baumwollene Dschoggingbuxe sowie Mütze, Schal
und Handschuhe an einem kleinen Flüßchen entlangtrabte, auf dem die
Eisschollen knackten und der weiße Schnee die Dunkelheit erhellte und
mir den Weg wies. Trotz eiskalter Nasenspitze fühlte ich mich so wohl
und frei, das ich innerlich ergänzte „Hoppeln macht den Kopf frei
– und GLÜCKLICH!" Aber SOWATT von...