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Ziel
Zuckerhut
Rio-Marathon 2005
4:05 und ich kann nicht mehr schlafen. Dabei hatte ich mir so einen schönen
Plan gemacht, wie ich trotz Start um 8:00 in 35 km Entfernung bis 5:30
schlafen kann, hatte alles am Abend verpackt und mir eine super-tolle
Checkliste gemacht, damit ich bei meinem ersten Marathon auch nichts
falsch mache.
Aber ich bin in Brasilien, und hier geht immer alles schief, nur bis jetzt
ging das immer erst nach dem Aufstehen los und nicht schon davor .
Nochmal umdrehen... keine Chance, viel zu aufgeregt. Ist ja auch besser,
ausserdem hatte ich irgendwo gelesen, dass man sogar ganz ohne Schlaf
einen guten Marathon laufen kann, und immerhin habe ich ja vier Stunden süß
geträumt. Also raus, und Checkliste langsam und geruhsam durchgehen.
Komisches Gefühl, um 5:00 Sonnencreme aufzutragen, aber später geht
nicht, würde ja noch mehr in den Augen brennen als so schon.
Mit meinen Habseligkeiten dann zum Linienbus, denn das gehört zum Plan.
Statt den teuren Extra-Marathon-Bus zu nehmen will ich einfach in den
normalen Linienbus nehmen, der ja genau bis Recreio, zum Startpunkt fährt,
und das von meiner Haustür auf direktem Weg. Aus meinem Fenster in
Copacabana hatte ich ja auch jede Menge der Busse gesehen, die die
Nachtschwärmer wieder nach Hause bringen. Nur das war um 4:30, wo waren
sie jetzt, um 6 Uhr? Mit der geringer werdenden Zahl von Nachtschwärmern
ist wohl auch das Busangebot gegen Null gegangen.
Und jetzt? Aber wir sind in Brasilien, wo zwar alles schief geht, aber man
am Ende doch immer einen Ausweg findet. Also in den nächsten Bus
einsteigen, der wenigstens in die grobe Richtung fährt, zur Not für das
letzte Stück ein Taxi. Nach kurzer Unterhaltung mit dem Busfahrer besteht
sogar die Chance auf einen Anschlussbus zum Startpunkt
geht doch...
Um 6:40 stehe ich dann im Niemandsland am Ende der Buslinie. Noch kein
Grund zur Panik, 80 Minuten bis zum Start, 50 Minuten bis zum Ende der
Chipausgabe. Nur wo ist der Bus? Und die Taxi-Dichte unter Null, kein Taxi
weit und breit, warum auch? Steht ja nur eine Nase da und wartet,
ansonsten nur Niemandsland. Was jetzt? Kann eigentlich nicht mehr weit
sein, vielleicht ... Laufen? Irrsinn, kein Tropfen Glykogen wird
verschwendet, wenn es vielleicht auch zum Stressabbau getaugt hätte.
UND... da kommt er doch noch, der Bus nach Recreio, und lauter Läufer
drin... YESSS, geschafft. Sahen zwar alle aus wie Kenianer, pechschwarz
und Beine bis zum Boden, aber unten dran waren Laufschuhe und bunte
Klamotten hatten sie auch an!!!! Sozusagen brasilianische Lauf-Kenianer.
Pünktlich um 7:20 bin ich dann am Ziel, eigentlich mehr am START.
Chipausgabe wäre auch bis 8:00 gegangen, werde ich später erfahren auf
der Strecke von einem Läufer, der noch etwas später gekommen ist als
ich. Aber das weiss ich ja jetzt noch nicht... Noch mal die Checkliste:
ach so, man hätte auch mal was trinken können, aber das ist ja hier zum
Glück nicht so wichtig. Ach und meine Klamotten abgeben. Wo eigentlich???
Aber auch das geht schnell. Und jetzt aufs Klo. Wie, nur 6 Häuschen für
2000 Teilnehmer??? Naja, sind ja noch 15 Minuten... noch 10 Minuten...
noch 5 Minuten... es kommt, wie es kommen musste, der Startschuss fällt
und ich sitze auf dem Klo, und zwar auf einem Frauenklo, weil es bei nur
10 % weiblichen Teilnehmern 50% Damenklos gab, wodurch webigstens alle
Frauen rechtzeitig im Startblock waren. Nur ich nicht??? War trotzdem
richtig, denn genau hier löste sich mein letztes Problem... denn ich bin
ja in Brasilien, und Gott ist Brasilianer.
Vom Klo direkt über die Startlinie, und ich hole sogar noch vor der Linie
den langsam lostrabenden Startblock ein. Das war eh mein Plan, hinten zu
starten: die ersten fünfzehn Kilometer gehen auf einer 4spurigen Strasse
gerdeaus; hinten wird man weder verleitet, zu schnell anzugehen, noch überrannt,
noch läuft man Gefahr, irgendwo stecken zu bleiben, denn die Strasse ist
breit genug... also alles im Plan. Nur... wo ist denn mein Plan? Ich habe
doch morgens mit Kugelscheiber meine km- und 5km-Zeiten auf den Handrücken
gemalt???? Jetzt weiss ich, warum man es auf Papier schreiben soll. Was
bei 5km noch schemenhaft zu erkennen ist, ist nach 10 km komplett weg.
Kein Problem, noch klappt das Kopfrechnen, und bei einem km-Split von 5:20
ist das auch garnicht so schwer. Bis km 5 jeden km gerechnet... passt und
fühlt sich gut an. Es rollt, ich muss mich fast zum Atmen zwingen, sonst
würde ich es wohl vergessen. Was im Training ab und zu schwer fiel,
gerade in der letzten Woche, wo man in jede Faser des Körpers hört, um
ein Problem zu entdecken, jetzt ist es das einfachste der Welt. Trotzdem
langsam weiter laufen, den herrlichen Strand von Barra de Tijuca geniessen
und rollen lassen. Gleichzeitig denke ich: wären dies die letzten 15 km,
würde ich mich wohl erschiessen. Eine Gerade von 15 km in der prallen
Sonne, dass kann ganz schön demotivieren...
Der Sorgenpunkt bleibt ohnehin das Wetter. Noch vor einer Woche gab es
morgens Wolken und manchmal sogar kühlen Regen, aber spätestens seit
Donnerstag war klar, dass kein einziger Schleier die Sonnenstrahlen davon
abhalten würde, die Horde Irrer langsam und genüsslich zu grillen. Die
ersten fünfzehn Kilometer gehen genau in Richtung der noch relativ
niedrig stehenden Sonne, ohne einen Strauch oder einen Baum, unter dem wir
uns verkriechen könnte. Um 8:00 schon 21 Grad und Sonne, das macht Sorge.
Und er Sonnenbrand ist auch schon gebucht, denn die Sonnencreme hat bei
diesen Bedingungen keine Chance.
Bei etwa 10 km werde ich etwas schneller, noch ohne es zu merken. Es ist
ein ständiges Überholen, denn ich war ja ganz hinten gestartet, und
Brasilianer mit ihrem Temperament neigen wohl noch mehr als wir in
Deutschland zum "optimistischen" Angehen. Einigen rasselt schon
jetzt der Atem und ich frage mich, was wohl die nächsten 32 km passieren
wird. Subjektiv habe ich das Gefühl, langsamer zu laufen, aber ich bin
wohl nach 12 km bereits bei einem 5:10 Schnitt pro km. Bei 15 km merke ich
zum ersten Mal, dass ich nicht ganz so weit hinter die 5:00 pro km liege,
wie es eigentlich hätte sein sollen.
Nach 18 km, beim Übergang von Barra de Tijuca nach Sao Conrado, kommt die
erste (und gleichzeitig vorletzte) Steigung; was im Streckenprofil
gigantisch aussieht, ist eine Steigung von 25m Höhenunterschied auf etwa
einem Kilometer. Aber schon hier zeigen viele Läufer
Ausfallerscheinungen. Die Hitze, die die Sonne jetzt um 9:30 entfaltet,
ist aber auch schon sehr heftig. Obwohl wir jetzt schon alle drei
Kilometer Wasserstationen haben, reicht die Kühlung nicht aus. Zum Glück
kommt nach der Steigung ein Stück, auf dem wegen der Steilküste die
Fahrbahnen übereinander liegen, und wir haben das Glück, unten zu
laufen. Die Autos über uns erzeugen einen beängstigenden Lärm, aber
hier ist es fast kühl, ein leichter Wind kommt vom jetzt wieder nahen
Meer zu uns hoch, wir sind nassgeschwitzt und körperlich noch frisch,
jedenfalls einige von uns. Ich sauge die kühle Luft ein und geniesse den
herrlichen Ausblick auf den tiefblauen Atlantik.
Den Halbmarathon passiere ich recht genau bei 1:50, jedenfalls zeigt meine
Uhr bei 21 km 1:49:40, beim HM selbst ist kein Schild. Trotzdem bin ich
recht sicher, deutlich unter meiner bisherigen HM-Bestzeit zu liegen, die
ich im Mai beim "7-Hügellauf" in Bamberg mit 1:52:17
aufgestellt hatte. Die Strecke dort war allerdings mit 280 Höhenmetern
und giftigen Steigungen überhaupt nicht zu vergleichen und auch dort war
es wahnsinnig heiss.
Ich bin momentan mit einer Pace von 5:00 unterwegs, im Durchschnitt über
die erste Hälfte etwa 5:12. Muss ich mir jetzt Sorgen machen? Nochmal in
den Körper hören... scheint alles klar zu sein. Kopf arbeitet noch, kann
noch gut rechnen, Schwitzen funktioniert noch, Trinken und auch
Gel-Lutschen bei 18 km auch. Nur... im Training hätt ich das nie
gebracht. Na gut, ist ja auch Wettkampf hier, nach einer Woche mit
ruhigeren Einheiten geht einfach mehr. Körper will erst morgen ausruhen,
gut so. Witziger Weise muss ich hier an unseren Stachelbär denken, der
mir mit seinen Tipps und Aufmunterungen so geholfen hatte und mit seiner
Zeit von 3:38 eine Marke aufgestellt hatte, die für mich im Training
gleichzeitig unerreichbar und doch möglich schien. Hier erscheint sie mir
wieder möglich, nachdem ich sie eigentlich in den letzten zwei Wochen vor
dem Rennen aus meinem Kopf verbannt hatte. Aber wer weiss, was noch
passiert... irgendwann wird das Niemandsland beginnen, dass ich noch nie
unter dem Fuss hatte.
Sao Conrado ist wohl der Stadtteil mit den größten Gegensätzen in Rio;
auf der einen Seite die Fashion Mall mit Boutiquen von Versace, Boss etc.
und auf der anderen Seite, nur einen Steinwurf entfernt, der Rocinha, der
größten Favella Lateinamerikas. Vor etwa einem Jahr kam es hier zu
heftigsten Strassenschlachten, als die Vorherrschaft im Drogenhandel neu
"ausgehandelt" wurde. Ein eigenartiges Gefühl, hier zu laufen,
aber gleichzeitig das erste Mal, dass sich Menschen für uns Marathonis
interessieren. Bis hierher hatten wir uns nur selbst angefeuert und jetzt
stehen kleine Kinder in ihren bunten, alten Kleidern vor uns und lächeln
uns an.
Hier kommt es gleichzeitig zu einer Motivationsspritze der besonderen Art
für mich. Als ich am Start meine Zielzeit von "etwa 3:45"
nannte, hatte mich ein Kerl milde belächelt, der offensichtlich gerade
dem Kraftraum entsprungen war und noch unter irgendwelchen Drogen stand.
Ich habe lieber meine Klappe gehalten und gedacht... "so nach unter 3
Stunden siehst Du jetzt aber auch nicht gerade aus". Kurz nach dem
Halbmarathon sehe ich ihn dann wieder; mir geht es klasse und ich überlege
gerade zum 28ten Male, ob ich denn noch weiter beschleunigen darf, und bei
ihm ist wohl die Wirkung der Drogen verpufft, ich schätze, dass er etwa
mit 6:00 unterwegs ist, Tendenz stark abfallend. Da ändert auch seine
Fahrrad-Begleitung nichts, die ihn ständig mit Wasser beträufelt.
Nach 23 km kommt das schönste Stück der Strecke: am Fuße einer weiteren
Favela (der Vidigal) zieht sich die "Avenida Niemeyer" an den
Felsen entlang. Zwar eine weitere Steigung mit etwa 30 Höhenmeter, aber
diesmal im Schatten. Trotzdem bereits viele Geher, und ich habe das Gefühl,
durch das Feld zu fliegen. Manchmal rufe ich einem Läufer etwas
Aufmunterndes zu, hab aber gleichzeitig das Gefühl, das könnte nicht so
gut ankommen, weil ich einfach nicht zu ihnen gehöre, ich leide nicht.
Im Gegensatz zum Halbmarathon in Bamberg, wo die Gefälle so steil waren,
dass sie die Beine fast mehr in Mitleidenschaft ziehen als die Steigungen,
ist das Gefälle hier ganz leicht, die 30 Meter fallen auf zwei Kilometern
langsam ab. Ich lasse es richtig laufen und überwältigt von dem Anblick
des wohl hippsten Strands von Rio de Janeiro, dem Abschnitt von Leblon und
Ipanema, entschliesse ich mich jetzt kontrolliert auf Angriff zu setzen.
Wir sind bereits 26 km gelaufen, nach vorn ist es mit 16 km überschaubar,
und hier beginnt meine Trainingsstrecke. Ich stoppe wieder einige
Kilometer mit der Uhr, ich liege so um die 4:50, manchmal etwas schneller.
Einziges Problem bleibt die Hitze, die von nun an (es ist inzwischen nach
10 Uhr) unerbittlich ansteigt und nur selten von einem leichten Luftzug
weggetragen wird. In Ipanema aber endlich wieder ein paar Zuschauer, die
bei Ihrem Sonntagsspaziergang über uns Marathonis "gestolpert"
sind. Manche erkennen immerhin, dass die Schilder mit den hohen
Kilometerzahlen darauf wohl uns gelten und ziehen leicht die Augenbrauen
hoch, insgesamt bleiben wir aber doch Fremdkörper oder Sonderlinge.
Für diejenigen, bei denen die Strecke schon mehr Tribut forderte als bei
mir, scheint der Frust hier am höchsten zu sein; viele, die ja bis
hierher vor mir lagen, gehen jetzt. Ausgerechnet hier, nach schon 28 km,
wird es auf einmal eng beim Überholen. Hier ist nur eine Spur für uns
abgesperrt, und bei einem schweren Verkehrsunfall wird es dann sogar noch
mal enger, ein echtes Nadelör...
Durch den Übergangs-Stadtteil Arpoador geht es nach Copacabana, zu meinem
Hausstrand. Und siehe da, die einzige Ausgabestelle, bei der nicht nur
Wasser ausgeschenkt wird. Publikumswirksam hat sich Gateorade in Szene
gesetzt und schenkt vor den Zuschauern buntes Zuckerwasser aus, das auch
gleich lustige rote Spuren auf mir hinterlässt. Da bleib ich doch lieber
Wasser und ab und zu etwas Gel, ich liebe dieses Zeugs!!!
Jetzt laufe ich an meiner Haustür vorbei und tatsächlich hat sich mein
Besuch aus Sao Paulo inzwischen aus den Federn gequält und ist
rechtzeitig in Position, um ein paar Bilder zu schiessen. Ich merke auf
einmal, dass ich inzwischen voll auf dem Vorfuss laufe und für den
Kilometer nur noch 4:40 brauche; keine Ahnung, seit wann ich vorn
aufsetze, bestimmt schon seit dem Halbmarathon, wobei ich sicher bin, dass
ich fast auf der Ferse, maximal auf dem Mittelfuss losgelaufen bin. Der
Kopf kann immer noch rechnen und spuckt aus, dass ich wohl mit 3:33 eine
Schnapszahl laufen könnte oder eigentlich sogar noch schneller, ich
verbiete mir aber, gar über 3:30 nachzudenken. Denn genau hier, wo wir
vom Strand von Copacabana abbiegen Richtung Botafogo, beginnt zum einen
das Niemandsland, dass mein Fuss noch nie bewältigt hat, und zum anderen
fehlt ab hier jeder Luftzug. Obwohl es nach einem Übergangskilometer
wieder in der Nähe des Strands endlanggeht, sind wir jetzt an einer
abgeschlossenen Bucht und nicht mehr am offenen Mehr. Den Effekt kannte
ich noch vom Halbmarathon 2003, den ich in indiskutablen 2:11 gelaufen bin
und dabei auf den letzten 5 km so eingebrochen bin, dass ich für ein Jahr
die Laufschuhe n den Nagel gehängt habe. Jeder Meter, den wir von
Copacabana weglaufen, Richtung Botafogo und später Flamengo, scheint den
Effekt zu verstärken. Da hilft auch der wunderschöne Blick auf den
Zuckerhut nichts, den wir in einem langen Bogen umkreisen.
Aber heute ist ein anderes Rennen. Ich bin in den letzten sieben Wochen
fast 900 km gelaufen, habe Endsteigerungen trainiert, bin nüchtern 35 km
gelaufen, bin in einem deutlichen Negativsplit unterwegs und ich überhole
Leute, nicht ich werde überholt. Zwar nehmen sich jetzt, ab km 37 oder
38, alle zusammen, kaum einer geht, aber ich bin fast wie bei einem 10 km
Tempolauf unterwegs. Jetzt merke ich, dass es schwerer wird, aber jetzt
kann mich eigentlich nichts mehr umwerfen. Einen leichten Knick nach unten
gibt es, als wir bei km 40 das Ziel passieren und auf einmal vom Ziel
weglaufen, statt auf es zu. Ganz blödes Gefühl, obwohl natürlich die zu
laufende Strecke mit jedem Schritt kürzer wird. Die letzten beiden
Kilometer laufe ich trotzdem in 4:35, vergesse zwar, im Ziel auf den Knopf
zu drücken, aber selbst die grosse Uhr über dem Ziel sagt mir 3:30:xx
brutto, und ich bin erst ca. 8:03 über die Startlinie. Ich bin tatsächlich
den zweiten Halbmarathon in ca. 1:38 gelaufen!!!
Total glücklich gehe ich durch den Zielbereich, und merke, wie jetzt auch
mein Körper nach Ruhe schreit, nach einem Wasser, nach Schatten. Ich
finde meinen Besuch, der es tatsächlich geschafft hat, noch weitere Fotos
von mir zu machen. Ich treffe einige von den brasilianischen
Lauf-Kenianern, mit denen ich mich im Bus unterhalten habe, die meisten
waren garnicht so weit vor mir.
Mit brasilianischem Chaos und Improvisationskunst klappen
Verpflegungs-Ausgabe, Klamottenrückgabe, Übergabe der Teilnahme-Medaille
und sogar eine Massage (!!!) super-schnell. Bei der Massage lerne ich noch
Edna kennen, die zwar auf den letzten Kilometern von Krämpfen geplagt
wurde, aber trotzdem knapp unter 3:40 geblieben ist. Obwohl sie wie ich in
Copacabana trainiert, waren wir uns noch nie über den Weg gelaufen und
beschliessen, das zu ändern.
Ich kann völlig problemlos gehen, gebe meinen Massageplatz an Bedürftigere
ab, schnapp mir einen weiteren Linienbus und bin um 12:30 zuhause. Unter
der Dusche frage ich mich noch kurz, ob ich nicht schneller hätte angehen
sollen. Die Antwort ist sofort da: NEIN. Ich habe den Lauf genossen, habe
alles wahrgenommen, habe mich über den Zuckerhut gefreut, der nach 38
Kilometern vorbeigesaust ist, und mir tut nichts weh. Für 3 oder 4
Minuten Zeitgewinn werde ich das nicht opfern, nicht bei meinem ersten
Marathon.
(c) Rüger Reichow
26.06.2005
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