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"Rangehen
rangehen..."
Hamburg-Marathon
2005
Angereist
sind meine Frau Anke und ich schon am Samstag vormittag. Wir hatten
bereits letzten September ein Hotel im Dammtorpalais gebucht, das sich an
diese Buchung zum Glück auch noch erinnern konnte. Dadurch hatten wir nur
wenige Minuten Fußweg sowohl zur Messe, wo Start und Ziel waren, als auch
in die Innenstadt. Anke war die Besitzerin des Hotels nach folgendem
Dialog sofort sympathisch:
B(esitzerin): Wer von Ihnen läuft?
Ich: Ich
B: Wann wollen Sie denn frühstücken?
Ich: Wenn es geht recht früh, ab wann wäre es denn möglich?
B: die meisten Läufer wollen um 6:00 Uhr frühstücken, wir sind darauf
eingestellt.
Ich: prima, das wäre mir sehr recht, dann also 6:00 Uhr
B (lächelnd zu Anke): Sie wollen doch sicher später frühstücken, um
6:00 Uhr sitzen da nur Bekloppte.
Das Wetter am Samstag war herrlich sonnig und lud zum Bummeln ein.
Die Abholung der Startunterlagen gestaltete sich für mein Empfinden etwas
lästig, denn man musste sich komplett durch die vollen und lauten
Messehallen quälen, vorbei an den ganzen Verkaufsständen. Als ich dann
endlich bei der fast leeren Startnummerausgabe meinen Beutel (und mein
Finishershirt) abgeholt hatte und an den trubeligen Rückweg dachte,
wollte ich nur noch eins: raus hier, ab in die Sonne. Das war wohl die
erste Marathonmesse, auf der ich nichts gekauft habe, bei mir hat das
Konzept: „Wir zwingen Dich hier durch, sonst bekommst Du Deine
Unterlagen nicht" also eindeutig versagt.
Ein Satz zum „Finisher"-Shirt: Es ist ein Funktionsshirt, das man
zusätzlich erwerben konnte und als ich es auspackte, traf mich fast der
Schlag. Die Farbe heißt „khaki", aber Anke bezeichnete die Farbe
etwas uncharmant als „sieht aus wie frisch geko***". In meiner
Hochstimmung versuchte ich natürlich, ihr offensichlich fehlendes
Trendversagen heldenhaft zu ignorieren, aber nach dem ersten Waschen kann
auch ich nur sagen: „Oje, ist das hässlich"
Am nächsten morgen setzte ich mich also um 6:00 Uhr zu den anderen
Bekloppten. Der Morgen ließ ein tolles Wetter erwarten, ein strahlend
blauer Himmel, aber auch noch ziemlich frisch. Ich entschloß mich also,
im T-Shirt und kurzer Tight zu laufen und bis kurz vor dem Start mit darüber
gezogener langer Hose und Fleece-Jacke warm zu halten. (sorry odie, hätte
ich gewusst, dass Du mein Postleibchen suchst…..)
Beinahe direkt vor unserem Hotel verlief die blaue Linie (Rothenbaumchaussee)
und mit gemischten Gefühlen betrachtete ich noch einmal die 40km-Marke,
von der ich doch noch so weit entfernt war.

Nach einem kurzen Fußmarsch waren wir dann gegen 8:10 Uhr in der Nähe
meines Startbereichs, der Start meines Blocks B war für 9:05 Uhr
vorgesehen. Für diesen Punkt als Treffpunkt hatten sich auch die
ortskundigen LA-Foris entschieden und sehr schnell fand ich auch zwei
Gestalten, die bunte Luftballonis aufpusteten und die ich charmant mit den
Worten: „Ihr zwei seht so unsportlich nicht-marathonlaufend aus, Ihr
seid bestimmt Fidi und Steffen" begrüßte.
Anke hatte ich vorher gefragt, ob sie sich in die fachkundigen Hände der
beiden begeben wollte. Nachdem dieses logistische Problem also gelöst war
und ein paar Fotos mit anderen LA-Foris gemacht waren,

wollte ich mich dann erst mal kurz Richtung Dixies machen und meinen
Kleiderbeutel loswerden.
Das dauerte leider etwas länger und als ich gegen 8:45 Uhr wieder zum
Treffpunkt kam…….waren alle …weg, einfach weg. Meine Anke, weg. Ich
konnte es kaum glauben. Mir fiel dann zwar ein, dass Steffen im Forum
gepostet hatte, sie könnten nicht auf den Start warten, weil sie sonst
den ersten Anfeuerungspunkt nicht rechtzeitig erreichen würden, aber ….
Ich wollte mich doch wenigstens noch verabschieden und mir Glück wünschen
lassen. Und mir sagen lassen, bei welchen Kilometern ich ungefähr nach
ihnen Ausschau halten müsste. Nix, sie waren tatsächlich weg. Leicht
geknickt ging ich in meinen Startblock.
Da stand ich dann also, „bewaffnet" mit meinen 3 Gel-Chips in der
Vordertasche meiner Tight, einem Powergel und einem Schwamm, die ich mir
beide seitlich in den Hosenrand gesteckt hatte in der Hoffnung, sie nicht
zu verlieren. Außerdem hatte ich noch zwei Marschtabellen mit den
wichtigsten km-Abschnitten laminiert innen an der Startnummer befestigt.
Auf der Vorderweite der sub4-Traum im 5:41er Schnitt und auf der Rückseite
das zu erwartende Minimum: ein 5:50er Schnitt mit einer Endzeit von 4:06h.
Die Zeit bis 09:05 verging rasend schnell und pünktlich erfolgte der
Startschuß. Der Kommentator schwafelte lustig , wie die Jungs das nun mal
so machen: Jetzt sind es nur noch 42 Kilometer und 195 Meter, 194, 193. Na
seht ihr, so schnell geht das.
Dann lief ich über die Matte, Uhr angedrückt und ich begann das, was
mein erster „schneller" Marathon werden sollte. Nach dem
Katastrophendebüt in Füssen im letzten Juli (4:54h) und der
Sightseeing-Tour durch New York im November (4:39h) wollte ich meine
Grenzen erfahren und Richtung 4 Stunden laufen. Insgeheim hoffte ich auf
eine Zeit unter 4h und die Trainings- und Vorwettkampfleistungen liessen
das auch nicht völlig unmöglich erscheinen, aber falls das nicht klappen
sollte, wäre es auch ok. Dann würde ich die sub4 eben im Herbst laufen,
aber toll wäre es heute schon.
Für die Masse der Starter lief es sich anfangs relativ flüssig, die
breiten Hamburger Strassen und die Aufteilung in drei räumlich getrennte
Startbereiche geben Platz. Nur nicht so schnell losrennen sagte ich mir
immer wieder und das hat auch tadellos funktioniert: die ersten 5km waren
mit knapp 29min der zweitlangsamste 5km-Split des gesamten Marathons.
Wir liefen über eine breite Strasse mit Mittelstreifen und ich hielt ständig
Ausschau nach Steifs Luftballons. Ich sah sie zwar nicht, aber auch sonst
nix, daß ich gerade über die berühmt sündige Meile, die Reeperbahn
lief, ist mir total entgangen.
Zuschauer gab es hier vom Start an ganz ordentlich und die Stimmung war
trotz der frühen Morgenstunden sehr gut (nein, ich will Hamburg nicht mit
New York vergleichen).
Etwa bei km 4 wurde die Strasse dann relativ eng und ausgerechnet hier
musste ich bei meinem Tempo auf die Masse der Walker treffen. Super. Ich
will fair sein: Es gab auch ein paar vernünftige Walker. Insbesondere
eine Berliner Truppe, die zahlreich vertretenen Grunewalker, liefen meist
wie die Skater hintereinander, um die Läufer nicht zu behindern. Aber natürlich
liessen es sich auch ein paar dieser Spezies nicht nehmen, auf diesem
engen Stück nebeneinander zu latschen, was zu nervigen Stops und
Rempeleien führte . Dann doch auch ein geliebtes Geräusch: klack, klack,
klack.
Nordic Walking Stöcke sind wegen der Verletzungsgefahr verboten, oder?
Na, dann müssen die jungen Damen echt lange und seltsam geformte Fingernägel
haben, klack, klack, klack.
So bei km 7 ging es dann Richtung Elbe und dann auf der berühmten
Elbchaussee zurück Richtung Innenstadt.
Ja. Elbchaussee.
*neidfaktoran*
Ganz nett. Ich merkte mir das ein oder andere Anwesen, falls es uns in dem
vor uns liegenden Urlaub nicht gelingen sollte, unsere Tantiemen vollständig
zu verbraten. Leider hatte ich keine Zettel á la Kathleen Turner aus dem
Film „Rosenkrieg" dabei: „Falls Sie dieses Haus jemals verkaufen
möchten, rufen Sie mich bitte an"
Grüne, parkartige Umgebung, der Blick auf die Elbe, wunderschön.
*neidfaktoraus*
Die km-Zeiten plätscherten so vor sich hin, km 10 erreichte ich mit
57:24min. Auch ich ( charly) hatte schnell begriffen, dass man tunlichst
an den ersten beiden Verpflegungstischen vorbeilaufen konnte, weil weiter
hinten völlig vereinsamte Helfer standen, die freundlich gefüllte Becher
verteilten. Da ich, Übung machte den Meister, auch beim Trinken niemals
stehen bleibe, war das Umrunden der „beimtrinkengehpausemacher" an
allen Verpflegungspunkten etwas lästig, aber von NY war ich schlimmeres
gewohnt.
Kurz vor den Landungsbrücken flatterte rechts plötzlich ein blauer
Ballon über eine Traube von Läufer: Der (ein?) 4:00h Pacemaker, ach wie
schön. Der kleine Mann unter dem Ballon sagte gerade: „Ruhig, Ihr seid
alle viel zu schnell unterwegs". Ja, das hört man doch gerne, ich hätte
den kleinen Mann tätscheln können, nein was für ein netter.
Dann bei ca. km 12 die Landungsbrücken. Wow. Nicht schlecht. Wer die
Fernsehübertragung gesehen hat weiß, dass hier richtig gute Stimmung war
(nein, wirklich, ich will Hamburg nicht mit New York vergleichen). Schon
seit geraumer Zeit hielt ich wieder erfolglos nach den Ballons Ausschau,
aber das Spektakel, das die andren Zuschauer hier veranstalteten, entschädigte
mich reichlich.
Kurz vor km 15 die nächste Wasserstation und dann ging es leicht abwärts…….
in einen Tunnel. Hui, was ist das denn? Eben noch Sonne, eine leichte
Brise und Zuschauermassen und plötzlich: Dämmerlicht, leicht stickige
Ventilatorluft und nur das Trappeln der anderen Marathonis, ein surreales
Erlebnis . Mitten im Tunnel dann das 15km-Schild: 1:25:55. Immer noch bis
auf 30 sek im sub4 Bereich und ein paar Meter vorne lief der nette kleine
Mann mit dem blauen Ballon vor seinem Fanblock her. Ach, ein gutes Gefühl,
ich hätte ihn tätscheln können.
Dann raus aus dem Tunnel. Sonne. Fischluft. Ich atme auf, alle anderen
auch. Wir laufen direkt vor dem Hauptbahnhof, wieder Riesenstimmung, toll.
Ha, was ist das. Rechts sehe ich plötzlich die ersehnten Ballons an der
Strecke, sind sie es wirklich? Ich werde stürmisch angefeuert und halte
auf Fidi zu: „Wo ist Anke" „Soe wollte sich irgendwo hinstellen,
wo sie Dich besser sehen kann?" Kurze Enttäuschung und weiter geht
es.
Anke kann ich nirgendwo sehen. Ich überlege, ob ihr die Truppe vielleicht
doch nicht zugesagt hat und sie sich deshalb abgeseilt hat? Erst nach dem
Lauf bin ich beruhigt: Sie hatte mich aus dem Tunnel kommend tatsächlich
nicht nur gesehen, sondern auch fotografiert, nachdem sie eine halbe
Stunde lang in die Läufermassen gestarrt hatte.

Respekt.
Wir laufen mittlerweile um die Binnenalster, eine der bekanntesten Stellen
in Hamburg. In der Mitte die hohe Wasserfontäne, um Ufer schöne Häuser
und Luxushotels und nicht zu vergessen die Nobelboutiquen am
Jungfernstieg.
Es läuft rund, es läuft toll und neben mir schwebt ein blauer Ballon mit
der Aufschrift 4:00. Ach, ich könnte den kleinen Mann knuddeln.
Dann geht es über eine Brücke auf die rechte Seite der Außenalster.
Sofern man bei einem Stadtmarathon überhaupt davon sprechen kann:
landschaftlich für mich der schönste Teil der Strecke. Immer den Blick
auf die große Wasserfläche mit Segelbooten, herrlich. Das
Weltklassepublikum von Hamburg ist allerdings woanders, ich fühle mich
mehr an den König-Ludwig-Marathon erinnert, so etwa Niveau Hopfensee
(nein, wirklich, ich will Hamburg nicht ansatzweise mit New York messen).
Feenteichbrücke, klingt das nicht eher nach Märchenwald? Tatsächlich
liegt hier die 20km-Matte, die ich nach 1:54:44 überlaufe. Upps, jetzt
fehlt schon eine ganze Minute auf die sub4 Durchgangszeit, aber es ist ja
eh´ besser, die zweite Hälfte schneller zu laufen.
Vor der Wasserstelle hatte ich als mir erste Nahrung das Powergel reingewürgt,
ab km 25 wollte ich dann alle 5km einen Gelchip „hamstern", bei
einen langen Lauf haben sie testweise so 25min gebraucht, um sich aufzulösen.
Sonst nur Wasser, das musste reichen.
HM-Marke 2:01.01. Es könnte klappen, aber ob ich am Ende noch Biss haben
würde? Aber da ist immer noch dieser kleine Mann, ich könnte ihm vor
Freude den Kopf tätscheln, ich schaffe das vielleicht wirklich unter 4
Stunden.
Die nächsten km geht es durch irgendwelche Hamburger Strassen. Schöne Häuser,
viele Bäume, ein paar Zuschauer (nein… ). Nett aber unspektakulär.
Spektakulärer sind da, zumindest für mich, meine km-Zeiten, denn km 25
passiere ich bei 2:22:51, diese 5km waren mit 28:07min die
zweitschnellsten des Tages.
Hier gehen schon die ersten Läufer. Ganz taufrisch bin ich zwar auch
nicht mehr, aber das finde ich dann doch etwas früh.
KM 27: City Nord. Hier hat ein Radiosender eine Bühne aufgebaut, auf der
eine Band laute Rockmusik spielt. Breite Strasse, viele Zuschauer, tolle
Stimmung. Meine Beine werden etwas schwer, aber ich kann mein Tempo gut
halten, es läuft fast wie von selbst. Und kurz vor mir der blaue Ballon *tätschel*,
aber die Traube hinter ihm ist deutlich kleiner geworden, denn der kleine
Mann hat ein wenig angezogen.
Bei der nächsten Wasserstelle kurz vor km 28, die ich wie immer laufend
nehme, ist er dann plötzlich weg. Weg, einfach weg. Das hatte ich doch
heute schon einmal??? Ich drehe mich um, da ganz hinten ist er. Na so
schaffst Du die sub4 aber nicht. Ich trabe weiter, schaue herum und plötzlich
ist er wieder da: etwa 20m vor mir. Wow, was war das denn für ein
Zwischensprint? Wer soll so etwas denn kurz vor km 30 mitmachen? Ich
schaue mir seine Umgebung etwas genauer an und tatsächlich: so lonely, er
hat seine Fans alle abgehängt, toller Rhythmus. Aber wenigstens ich habe
ihn noch in Reichweite, aber irritiert wie ich bin, möchte ich ihn jetzt
doch nicht mehr tätscheln.
Und er entfernt sich, immer weiter. Ach ich könnte ihn….erschlagen. Ich
werde doch auch nicht langsamer, wo will der denn hin verdammt? Mit jedem
Schritt scheint sich der blaue Ballon zu entfernen. Ach, verreck´ doch,
Du Zwerg.
Dann das 30km-Schild: Die Uhr zeigt 2:50:41. Ich schaue auf meinen
sub4-Ausdruck: 2:50:38. Haha. Der letzte 5km-Split in 27:47min. Haha. Weg
da ihr Schnecken.
Rangehn rangehen.
Wenn Du scharf bist
Musst Du rangehn.
Hingehn hingehn
Dann ist alles gut
Ist alles ok, yeye.
Die Ermüdung nimmt leicht zu, der Laufgenuss leicht ab und durch mir
nicht bekannte neuronale Vorgänge drängt sich ein Nina Hagen Song aus
den Tiefen meines Unterbewusstseins nach vorne. Keine Ahnung woher, keinen
Schimmer warum. Der Text passt nicht, aber der Rhythmus, die Aggressivität
lässt meine Schritte beinahe stakkatoartig aufs Hamburger Pflaster
knallen.
Rangehn rangehen.
Hier wird in der Tat schon viel gegangen, aber ich habe noch Kraft, ich
laufe immer weiter. Es geht über breite Allenstrassen, an den Rändern
Zuschauer, Zuschauergruppen (nein, ich will Hamburg….) und Grillfeten.
Das Wetter ist toll, die Stimmung der Leute auch. Sie haben ganz
offensichtlich mehr Spaß, als die Masse der Läufer.
Rangehn rangehen.
Wenn Du scharf bist
Musst Du rangehn.
Hinten, ganz weit hinten formuliert sich langsam eine Erkenntnis: Ich
werde dieses Tempo nicht halten können, es ist zu knapp. Aber noch kämpfe
ich, weiter und immer weiter.
Endlich der nächste 5km-Abschnitt: Km 35 bei 3:19:12, ein Blick auf die
Marschtabelle. Jetzt schon 8 sek zu langsam. Argghhh.
Schneller werden? No way.
Rangehn rangehen.
Okay, es ist vorbei, die sub4 müssen warten, aber die 4:05 werde ich wohl
gut packen. Ich laufe am Limit, es tut weh, aber ich laufe. Weg da,
verdammte Walker, geht an den Rand. Nicht genug lange Läufe gemacht oder
was. Schande schande, Versagerbande.
Ja ich weiß, diese Gedanken sind ssssssssssss….. böse

aber sie tun so gut. Sie sind so motivierend.
KM 36 und 37 in 6:00min. Es ist ok. Durchlaufen jetzt, immer weiter, immer
weiter.
Rangehn rangehen.
Bei km 37,5 dann der Klosterstern, die Hölle des Nordens. Ah, wie kann
man bei diesen Zuschauern, bei dieser Party denn nur gehen, es ist
herrlich. Allerdings stehen die Zuschauer zum Teil dicht an der Strecke
und lassen nur eine enge Gasse für die Läufer. Da hier viel gegangen
wird, ist wieder Slalom angesagt.
Dann ein Rechtsschwenk und wir sind auf der Rothenbaumchaussee. Am Ende
dieser Strasse ist die 40km-Marke und dann wird es fast geschafft sein.
Weiter, immer weiter. Nina gibt den Rhythmus vor. Gibt es hier Zuschauer?
Nicht viele, aber es ist egal, weiter, immer weiter. Ich werde es
schaffen, ich werde durchlaufen. Das 40-km Schild. 3:49:24, die letzten
5km in knapp über 30min, egal, weiter. Ich kann nicht mehr denken, nicht
mehr rechnen. Aus einem meiner schlauen Bücher weiß ich, bei einer
4:30er-Endzeit braucht man ab km 40 noch eine etwa Viertelstunde ins Ziel.
15 Minuten, das reicht doch für 4:05 oder? Die Tabelle für 4:06 sagt bei
km 40 etwas von 3:53:xx. Ja klar reicht das. Es wird reichen, weiter.
Dammtorbahnhof, Zuschauer, viele Zuschauer, egal, weiter.
Rangehn rangehen.
Km 41 in 6:24min, haha, genau 4:30er Schnitt. Das wird eine klasse Zeit.
Zuschauer, schwere Beine, egal, weiter.
„Peter". Ich schaue nach rechts, ein grüner und ein gelber Ballon.
Fidi, Steffen, Anke. Ich winke und versuche zu Lächeln, das zweite
misslingt.
Aber ich bin glücklich und Anke zu sehen gibt mir noch einmal Kraft.
Weiter. Wie lange noch? Jetzt muß es doch bald geschafft sein. Weiter,
immer weiter.
Der Messeturm. Das Zieltor. Der Sprecher: „Ihr seid auf der Zielgeraden
des Hamburg-Marathons, Ihr habt es geschafft, genießt Euren
Zieleinlauf".
Jubel, Arme hoch, die Zielmatte, ich habe es geschafft.
Die Uhr stoppt bei 4:03:12, Wahnsinn, einfach Wahnsinn.
(Die offizielle Nettozeit wird 4:03:10 sein.)
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Vor der Medaillenausgabe ein ziemlicher Stau. Das ist nicht gut. Nur nicht
stehen. Ich will mich bewegen, muß trinken, brauche Wasser, Salz und
Mineralien. Ich habe etwas Angst vor einer weiteren Folge emergency room,
New York hat mir gereicht. Es dauert lange, zu lange. Ich nehme meinen
Buff ab, er ist klitschnass. Ich sauge an ihm. Wasser, Salz, ich fühle
mich besser. Dann endlich meine Finishermedaille.
Nun ist viel Platz. Als erstes fallen mir zwei 0,5l Gatorade-Flaschen in
die Hand, die schnell geleert sind. Kleiderbeutel, trockenes T-Shirt, an
den Riesenschlangen vor den ersten Erdinger alkoholfrei-Ständen vorbei zu
Tresen voller Plastikbecher mit kaltem Erdinger alkoholfrei, hier steht
kein Mensch (Du hast recht, die Leute sind manchmal echt deppert, charly).
Zwei Becher gegriffen, einen auf ex ausgetrunken, noch einen geschnappt
und dann zum Meeting Point vor der Messehalle. Am Zaun sind Buchstaben
befestigt, bei J steht Anke. Sie lächelt und mittlerweile kann ich auch
wieder zurücklächeln.
Hotel, Dusche, ausruhen, Hunger.
Anruf von Volkmar (hat mich wirklich sehr gefreut).
Kurz auf die After-Marathon-Party, zu laut, zu voll.
Innenstadt, Gänsemarkt
Nudeln und Weißbier mit dem gar nicht so ungehobelten Allgäuer.
Ein wunderbarer Sonntag geht zuende.
(c) Peter
Jahn 24.04.2005
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