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Mein
Abenteuer Marathon
Tirol-Marathon
2003
Mein "Abenteuer Marathon" begann genau genommen im Frühjahr,
nur wußte ich es damals noch nicht ;) Ich lief einfach immer länger,
weil es mir gefiel. Auf die Idee „Marathon“ kam ich durch Euch hier
... um es kurz zu machen, die schlimmste Zeit war die Woche vor dem Lauf.
Warum? Ganz einfach, man fühlt sich topfit, sollte aber nur sehr wenig
laufen. Das war hart, hatte aber auch sein Gutes, es bietet die
Gelegenheit endlich die vor sich hergeschobenen und zu einem Berg angehäuften,
unangenehmen Dinge des Lebens zu regeln. Steuererklärung, klärendes
Gespräch mit der Bank, Büro- Großaufräumung, Autoputz usw. : ) So war
ich gedanklich frei und brauchte keine belastenden Gedanken zu fürchten
die einen bei einem Lauf über 4 Stunden und schon bei der Anreise unwillkürlich
belasten. Dies erachte ich als ebenso wichtig, wie alle anderen
Vorbereitungen, wichtiger ist nur Training!
So jetzt aber zum Lauf. Anreise am Sonntag nach Wörgl (140km), ausfassen
der Startunterlagen. Ein Sackel voll Zeug, T- Shirt, ein Riegelchen,
Gutschein für Hervis (5 Eumel), Gutschein für Startnummer und für
Nudelesserei vom Vortag ;) Artig bedankte ich mich bei den netten Mädels,
und ging zum nächsten Stand um die Startnummer einzulösen. Das Mädchen
kannte sich nicht aus, eine zweite Dame kam. Auch sie wußte nicht was ich
wollte: „Bitte, ich wollte nur den Gutschein hier einlösen“. „Ähh,
was willst Du mit der Startnummer?“, schaute sie staunend. „Ja genau,
die Startnummer möchte ich gerne haben, hier ist der Gutschein dafür!“,
erklärte ich wohlwollend. Plötzlich fing sie an zu grinsen, „sorry,
aber DAS IST DIE Startnummer!“ Auweh, auweh, ich dachte an was stoffiges,
großes, es gab aber nur dieses Papierfetzerl. Na wurscht, muß ja nur ein
paar Stunden halten ;)
Mit dem Zug – tatagg, tatagg, tatagg - ging es dann nach Kufstein, dort
dauerte es noch 20 Minuten bis zum Start. Ein Blick in den Umkleideraum
ließ mich erschauern, dort wurde geschmiert, massiert und was-weiß-ich-noch,
es roch ziemlich streng nach allerlei Chemie. Gut dass wir an der frischen
Luft laufen, dachte ich mir. Was ich wohl alles falsch mache? Etliche Läufer
wärmten sich sogar auf, es waren aber keine afrikanischen Top- Läufer,
es war Hinz und Kunz.
Kopfschüttelnd suchte ich mir ein sonniges Platzel mit einem
„Kollegen“, den ich im Zug kennenlernen durfte. Von ihm bekam ich noch
in der Bahn einen Riesendämpfer zugesteckt, er eröffnete mir, dass die
gesamte Strecke Asphalt wäre !! Ausgerechnet, wo ich doch fast nie auf
diesem Untergrund laufen kann und will. Oje ...
Vor dem Start durch die Runde geschaut, lauter drahtige Bürscheln,
knackige Mädels, und mittendrin, ich. Als ich an mir runterschaute
streckte sich provokant mein Bäuchlein raus, ein Andenken an viele gemütliche
Stunden an der Bar. Das kaschieren mit der winzigen Startnummer war wenig
fruchtbringend. „Mein Wasserreservoir, ja ja“ , erklärte ich meinem
mich beobachtenden Nachbar – nennen wir ihn „Arschi“ - er strafte
meine körperliche Unzulänglichkeit mit sichtbarer Verachtung und wandte
sich ab. „Mir wurscht Du letzes Mandl“, dachte ich mir, dich sehe ich
eh nur am Start. Der wird sicher schon geduscht und weg sein, wenn ich im
Ziel ankomme!
Als der Aufruf kam, sich zum Start zu bewegen, reihte ich mich artig als
Letzter ein. Nur keinen behindern, dachte ich mir. Langsam trabte das Feld
los, Arschi war bald außer Sichtweite, gottseidank. Doch das Tempo war
weit unter meinem Trainingsspeed, also überholte ich etliche und schloß
mich einer zügigeren Gruppe an. Trappp, trappp, trappp – bald tauchte
die erste Labstation (waren alle 5 Km) auf. „Iso oder Wasser“, schrien
die eifrigen Helfer schon von weitem, als ob es bei uns auf ein paar
Sekunden ankäme. „Iso bitte was??“ „Isoschtar!“ erklärte das Mädel
fachkundig. „Aha“, nickte ich wissend. Dabei dachte ich mir, „keine
Ahnung, aber wird schon nicht schaden“. Also: „Beides bitte!“. Artig
bedankt ging es weiter, so hielt ich es den ganzen Lauf, immer doppelte
Portion, ein Teil Orangenzeug, ein Teil Wasser, und brav bedanken
Was mich schockierte, überall lagen die Becher rum, die Läufer schmissen
sie einfach in die Botanik! Sind Läufer solche Schweindeln? Nach einigem
Zögern gelang es mir auf ähnliche Weise meinen Becher zu entsorgen, wohl
gefühlt habe ich mich dabei aber nie! ;(
Weiter, weiter, trappp, trappp, trappp. Nach Km 6 ungefähr, wagte ich
einen Blick auf die Uhr – grrrrr lauter Nullen drauf. Ich Esel habe
etwas falsch gemacht!! Vor dem Lauf tauschte ich meine geliebte „Küchenuhr“
gegen den leichten Wecker des Pulsers, den ich ja nie in Betrieb habe aber
beim Autoputz wiederfand. Ich erinnerte mich an Chrissie, die ihre Pulsuhr
auch nur zum stoppen nimmt ... wahrscheinlich hätte ich das besser üben
sollen! Ich drückte rum und rum, ein Haufen Nullen und ein Herz war alles
was mich anschaute. „Wurscht, brauch ma net“, dachte ich mir, ich
laufe ja nicht nach Plan. Mein einzige Vorgabe, ich teilte mir das Rennen
in zwei Teile. Vor und nach 30 Km, das war nämlich meine längste
Trainingsstrecke die ich 3x davor bewältigte. Danach ist jeder gelaufene
Meter ohnedies mein neuer persönlicher Rekord, also ein Erfolg.
Bei Km 10 spürte ich – leichte – Schmerzen in beiden Oberschenkeln,
weia, was ist nur los? Der Asphalt! Es war aber durchaus zum aushalten,
nicht sehr schlimm, es blieb aber den ganzen Lauf über.... nur keine
Beachtung schenken, weiter - trappp, trappp, trappp.
Ab und zu in den Kadaver reingehorcht, nichts quietschte, krächzte oder
knarrte, es lief einfach blendend. Ich war drauf und dran schneller zu
werden, hielt mich jedoch zurück. Nach der Zeitnahme bei der Halbmarathon
Distanz fragte ich eine Läuferin ob wir noch im 4stunden Zeitrahmen sind,
sie bejahte, „und ganz ordentlich auch noch“. Na, da freut man sich
doch.
Kilometer 30, endlich, ab nun ist der Lauf gerettet, nur brav
weitertraben, ich fühlte mich noch ziemlich wohl, wenn auch die Beine
schon recht schwer wurden. Da merkt man erst, wie hoch Gehsteigkanten sein
können. Ich freundete mich aber immer mehr mit dem Gedanken an, „Alter
du packst es,“ und ich ertappte mich beim überlegen, welche Titelzeile
ich ins Forum schreiben soll. Vorweg, es blieb bei "Juchuhuhuuuu".
Immer wieder ermahnte ich mich, dass ich das Fell des Bären erst dann
verteilen darf, wenn er erlegt ist. Also brav weitertraben ... wenn auch
schon etwas zurückhaltender- trapp, trapp, trapp. Ich lief schon eine
geraume Weile alleine, wähnte ich mich noch ganz ordentlich beinander,
wenn auch ein bissel langsamer. Und wen seh ich da rumschleichen,
Arschibald ging stehend KO. Wer aber glaubt dass mich Genugtuung empfand,
irrt sich. Er tat mir nun richtig leid, schmerzverzerrt war sein Gesicht.
„Alles klar“ fragte ich, „jaja“, meinte er, „wird schon
wieder“. Es wurde nicht mehr, jedenfalls sah ich ihn auch später im
Ziel nicht. Er war nun nicht mehr Arschi, sondern einfach ein
Leidensgenosse ...
Der Versuch locker zu traben fiel immer schwerer, aber es ging noch
halbwegs ordentlich – tarap, tarap, tarap, bis der denkwürdige Km 36
kam. Die Beine wurden plötzlich so schwer, obwohl außer den schon
gewohnten Schenkelschmerzen alles paßte, die Beine gehorchten nicht mehr.
„Ist das der Mann mit dem Hammer“ dachte ich mir, wie der körperliche
Einbruch kürzlich im Forum erwähnt wurde ?! Weia, und nur noch die läppischen
paar Kilometer ?!
Ich fragte Passanten nach der Uhrzeit, ich war weit unterm Soll, wie ich
Daumen x Pi ausrechnete. Dann sah ich in der Ferne drei Läufer, sie
gingen allesamt. Diese Verlockung war zu viel, ein paar Schritte Erholung
dachte ich mir, dab, dab, dab. Nur ein paar Schritte, dann wieder langsam
losgetrabt, taaarab, taaarab, taaarab – aber: Aus Maus. So ging es bis
zum letzten Kilometer, die Gehpausen wurden immer länger, die
Laufpassagen also immer kürzer.
Interessanterweise wurde ich aber nicht von übermäßig vielen Leuten überholt,
wahrscheinlich erging es den Kameraden weiter hinten ähnlich? Hoffentlich
nicht ...
Irgendwann
kam das Zielstadion, etliche hunderte Zuschauer feuerten auch uns
Schlechtläufer noch an, und unglaublich, ich legte eine 400m Sprintrunde
à la Torty ein - Also alles ein mentales Problem? Klar, jemand der
wirklich an die Grenzen gehen kann, wäre durchgelaufen. Aber nicht ein
Alpi, der zwar ein großer Quälgeist sein kann, aber weniger sich selber
gegenüber ;)

Überglücklich
war ich, konnte aber mein Glück noch nicht so recht fassen. Dutzende
Gratulationen, hunderte Schulterklopfungen, raus aus dem Stadion, ins
Schwimmbad zum duschen und ein paar Runden geschwommen.
Auf der Heimfahrt im Automobil packte es mich, und ich ertappte so manche
Freudesträne, wie sie sich einem Weg über die Wange bahnte, und es
wurden immer mehr. „Ja, alter Knabe, Du hast es geschafft. Dein erster
Wettkampf, Du hast den Mari gepackt. Den Lauf der Läufe!“ Es war ein Glücksgefühl,
wie ich es sehr selten hatte. Ich weinte ...
(c) Erich "Alpi" Papp 29.09.2003
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